ExtremismusMeinung (Gesellschaft)

David Berger und der Mob

Der rechte Rand in Aufruhr

Meistens sind mir kleinere Grabenkämpfe mindestens egal, manchmal verfolge ich sie lediglich mit erheiterndem Amüsement, der aktuelle Fall jedoch ist anders. Ich habe diesen Kampf nämlich selbst bereits mehrfach gekämpft.

Das Problem der Definition

Schon Roland Baader stellte in seinem Buch „totgedacht“ fest, dass viele Intellektuelle antiliberal und antikapitalistisch eingestellt sind. Wenig verwunderlich scheint unter diesen Umständen die überwiegend sozialistische Gesinnung unter Journalisten und Autoren. Dabei spielt es gar keine Rolle ob nun globalistisches oder nationalistisches Denken präferiert wird, die von Baader diagnostizierten Grundsätze treffen auf die meisten Intellektuellen gleichermaßen zu. David Berger, Betreiber des Blogs „philosophia perennis„, erzürnt mit seinem konservativ-christlichen Weltbild tendenziell eher linke Gemüter. Diesmal jedoch hat er sich national geprägte Genossen aus Schnellroda zum Feind gemacht, Hauptakteur und Initiator der lächerlichen Anschuldigungen ist der Autor Martin Lichtmesz. Leider haben sich auch die Aktivisten der „Identitären Bewegung“ innerhalb dieser auf Twitter geführten Debatte nicht mit Ruhm bekleckert. Diese Tatsache hat mich wirklich etwas erschüttert, da mein persönlicher Eindruck der IB-Hannover durchaus positiv war.

Showdown

Eigentlich fing alles recht harmlos an. Stein des Anstoßes war das Bekenntnis Bergers zum christlich-jüdischen Wertekanon sowie zum transatlantischen Bündnis.

Es sollte eigentlich für jedermann selbstverständlich sein, dass ein konservativer, christlicher, deutscher Autor „pro-deutsch“ ist, für Lichtmesz jedoch offensichtlich nicht „pro-deutsch“ genug. Eventuell mag dieser Dissens auch durch die unterschiedlichen Ansichten in Bezug auf Amerika und vor allem Israel entstanden sein. Berger kennt diese Anfeindungen bereits und lässt sich gewöhnlich nicht zu emotionalen Reaktionen verleiten, diesmal jedoch kam eine Antwort von unmissverständlicher Prägnanz und maximaler Provokation. Die Reaktionen ließen selbstredend nicht lange auf sich warten, exemplarisch für die Meinungsverschiedenheiten ist die Antwort eines Users, der wie viele andere innerhalb dieser Debatte die Ursache des Übels bereits ausgemacht hatte: Unter dem Deckmantel des „Antizionismus“ wird ganz ohne schlechtes Gewissen und bei vollem Selbstvertrauen gegen den Staat Israel gewettert, zusätzlich werden noch Dutzende antisemitische, antiamerikanische und antiimperialistische Fake-News verbreitet. Es ist immer wieder auffällig, dass diese verschwörungstheoretischen Argumente von rechter und linker Seite gleichermaßen zu hören sind. Dabei ist der moderne Zionismus nichts anderes als israelischer Nationalismus, was wiederum aufgrund der aktuellen Situation Israels mehr als nur nachvollziehbar sein sollte.

Der linke Hass auf den Liberalismus

Echter, klassischer Liberalismus geht immer auch mit Kapitalismus einher – es sind zwei Seiten derselben Medaille. Aus diesem Grund wird der Liberalismus auch von beiden Rändern des politischen Spektrums attackiert. Stellvertretend für Freiheit und Geld stehen die vereinigten Staaten von Amerika und Israel. Es ist unschwer nachvollziehbar, dass totalitäre Antikapitalisten aller Couleur diese Staaten als Hassobjekte ausgewählt haben und sich entsprechend mit ähnlich Gleichgesinnten solidarisieren. Es scheint daher wenig verwunderlich, dass sowohl links- wie auch rechtsradikale Randgruppen nur allzu gerne muslimische Antisemiten an ihrer Seite sehen.

Die internationale Front

Das politische rechts-links-Spektrum sehe ich nicht als lineare Skala, sondern als eine Art multidimensionales Feld mit Wurmloch, welches dafür sorgt, dass, wenn jemand nur weit genug nach rechts-außen driftet, dieser wie durch Zauberhand links-außen wieder rauskommt. Sie mögen es gerne abstreiten, aber die gesellschaftlichen Ränder sind in der Sache vereint. Beide verachten die Freiheit und den Liberalismus, beide wünschen sich autoritäre Herrschaftssysteme und beide verorten das Problem der Gesellschaft an derselben Stelle, beim kapitalistischen System. Uneinig sind sie nur bei der Frage, ob man lieber nur das eigene Land oder direkt die ganze Welt dem sozialistischen Joch unterordnen wolle.

Auch die Verwendung von Wörtern wie „Sozialpatrioten“ erinnert mich an rhetorische Griffe der NPD – was nämlich viele dieser sogenannten Patrioten nicht verstehen, ist, dass „soziale Gerechtigkeit“ in welcher Form auch immer nur durch einen starken Staat etabliert werden kann und historisch betrachtet ist dies der erste Schritt auf dem direkten Weg in den Totalitarismus.

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Christian Dreschel

Liberal-Konservativer Geist, Islamkritiker, Religionskritiker, Israel-Versteher, Hobby-Autor, Ideologiefeind, Technokrat, Nerd, Apple-Fanboy, Microsoft-Junkie, Demokratie-Liebhaber, Kind europäischer Eltern und stolzer Bewohner der Bundesrepublik Deutschland

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